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Buchtipp: Ausnahmezustand im Sicherheits- und Krisendiskurs

Der Werbetext für das Buch von Anna-Lena Dießelmann [2015]: Normalität lässt sich ohne die Analyse von Ausnahmezuständen nicht adäquat verstehen. Das vorliegende Buch untersucht die allgegenwärtige Krisen-, Denormalisierungs- und Ausnahmerhetorik als ein (auch strategisch verwendbares) Instrumentarium zur Ausweitung von Normalitätsgrenzen anhand von Protokollen der internen Kommunikation der Polizei anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm 2007.

Normalität lässt sich ohne die Analyse von Ausnahmezuständen nicht adäquat verstehen. Diese grundlegende Prämisse der Autorin führt dazu, Normen, Normalitäten und Ausnahmesituationen als sozial und performativ erzeugte Kategorien zu betrachten. Das Buch zeigt die allgegenwärtige Krisen-, Denormalisierungs- und Ausnahmerhetorik als ein (durchaus strategisch verwendbares) Instrumentarium zur Ausweitung von Normalitätsgrenzen. Als wesentliche Probleme werden die damit einhergehende Aufhebung der Gewaltenteilung, die Beschränkung des Demonstrationsrechts und Eingriffe in demokratische Grundrechte belegt.
Die von Kenneth Burke begründete Methode des Dramatism wird innovativ dazu verwendet, die spezifischen Facetten der sprachlichen Dramatisierung und Normalisierung an einem Korpus zu erheben, der bisher in der Diskurslinguistik nicht berücksichtigt wurde: Protokolle der internen Kommunikation der Polizei. Daran legt die Autorin die operativen sprachlichen Kodierungen während des Einsatzes zum G8-Gipfel in Heiligendamm im Jahr 2007 und deren Auswirkungen auf Rechtsprechung und Rechtsetzung offen: „friedliche Demonstranten“ werden lediglich zum Zweck (purpose) der polizeilichen Maßnahmen, als Akteure (agents) erscheinen nur Bedrohungs- und Feindkategorien. Diese diskursive Ebene wird in einer weitreichenden Dispositivanalyse in Zusammenhang mit Denormalisierungsstrategien auf dem politischen Feld gesetzt.
Im Anschluss an Ansätze von Jürgen Link, Giorgio Agamben und Ulrich Bröckling lassen sich die Ergebnisse verallgemeinern, um die schleichende Implementierung von Ausnahmeregimes im Normalzustand der Demokratie zu verstehen.

Anna-Lena Dießelmann
Ausnahmezustand im Sicherheits- und Krisendiskurs.
Eine diskurstheoretische Studie mit Fallanalysen

Reihe Sprach- und Kommunikationswissenschaften, Band 4

Siegen: universi 2015, 318 S., kart.
ISBN 978-3-936533-61-3
Preis: 19,- Euro

 

oder online als PDF:

http://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2015/950/pdf/Dissertation_Anna_Lena_DieAelmann.pdf

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